Biamonti 633 – Sketches for “Sehnsucht”: Die stille Nacht by Reissig, 1815
Biamonti 633 – Sketches for “Sehnsucht”: Die stille Nacht by Reissig (see also number 648), 1815, pages 60 to 65, Nottebohm, II pages 332–333. Not conforming to the final version.
New insights from the Beethoven Music Research Center:
It is a study that occupied Beethoven for some time, since the sketches are found in as many as 6 pages (from page 60 to page 65) of the Scheide Sketchbook.
These sketches were analysed by Nottebohm in his volume “Zweite Beethoveniana”, who describes them as follows:
“… und endlich (Seite 60 bis 65) wieder eine längere Arbeit, nämlich Entwürfe zu dem von C. L. Reissig gedichteten Liede Sehsucht (Das Lied erschien im Juni 1816). Hier wiederholt sich die Erscheinung, die man bei der Entstehung aller andern gedruckten Lieder, und seien es auch sogenannte Gelegenheitslieder, beobachten kann. Das Lied “Sehnsucht” ist keineswegs ein Product des ersten Augenblicks, sondern das Ergebniss anhaltender, fortgesetzter Arbeit. Die Melodie wird stückweise zusammengesucht und ist in einer beständigen Metamorphose begriffen. Erst bei fortgesetzter Arbeit und allmählich fügen sich die gefundenen Theile an einander und gruppiren sich erst zu einem kleineren, dann zu einem grösseren Bilde. Beethoven versucht das Lied in verschiedenen Taktarten, trifft aber gleich die richtige, d. h. die am Ende beibehaltene Tonart, von der er im Verlauf der Arbeit nur einmal abweicht. Wie oft er das Lied angefangen hat, mögen folgende Auszüge aus dem Skizzenbuch veranschaulichen.”
[and finally (pages 60–65) again a longer work, namely the drafts for the Lied Sehnsucht composed by C. L. Reissig (the Lied was published in June 1816 as WoO 146). Here the phenomenon is repeated that can be observed in the creation of all the other printed Lieder, including the so‑called “occasional Lieder”. The Lied “Sehnsucht” is not at all a product made on the spur of the moment, but the result of sustained and continuous work. The melody is gathered piece by piece and is in continuous metamorphosis. Only with continuous work do the parts found gradually fit together and group themselves first into a smaller image, then into a larger one. Beethoven tries the Lied at different moments, but immediately finds the right key and tonality, from which he departs only once in the course of the work. The following excerpts from the Scheide Sketchbook illustrate how many times he began this Lied.]
The sketches reported by Biamonti refer to the initial drafts on page 60 (staves 1–2) of the Scheide. We have, however, attempted to trace all the sketches present in these 6 pages.
Die stille Nacht umdunkelt
Erquickend Tal und Höh’,
Der Stern der Liebe funkelt
Sanft wallend in [dem]See.
Verstummt sind in den Zweigen
Die Sänger der Natur;
Geheimnisvolles Schweigen
Ruht auf der Blumenflur.
Ach, mir nur schließt kein Schlummer
Die müden Augen zu:
Komm, lindre meinen Kummer,
Du stiller Gott der Ruh!
Sanft trockne mir die Tränen
Gib [süßer Freude]Raum,
Komm, täusche hold mein Sehnen
Mit einem [Wonnetraum]!
O zaubre meinen Blicken
Die Holde, die mich flieht,
Laß mich ans Herz sie drücken,
Daß edle Lieb’ entglüht!
Du Holde, die ich meine,
Wie sehn’ ich mich nach dir;
Erscheine, ach, erscheine
Und läche Hoffnung mir




