Hess 36 Transcription of a Händel Fugue for String Quartet

The autograph manuscript of this transcription is preserved in the Deutsche Staatsbibliothek in Berlin, catalogued as Grasnick 13. The fugue in question is drawn from the second part (Allegro moderato) of the overture to Handel’s oratorio Solomon, originally scored for two oboes, two violins, viola, and basso continuo. In the original orchestration, the oboe parts—except for a few simplified measures—merely double the violins. Beethoven, in his transcription, chose to omit the oboes entirely, focusing exclusively on the string parts and introducing only minimal modifications.

The precise date of this transcription remains uncertain. Scholars therefore place it within the broader chronological framework of Beethoven’s few known arrangements of works by other composers, namely between 1801 and 1817. Barry Cooper, in C/C (p. 275), proposes a much earlier date of composition, around 1789. However, this remains speculative.

The transcription consists of 69 measures and was not published during Beethoven’s lifetime. A facsimile of the manuscript appeared in the December 1959 issue of Österreichische Musikzeitschrift (Vol. XIV, No. 12). Another facsimile was later included in Willy Hess’s article Eine Bach- und Händelbearbeitung Beethovens, published in Beethoven-Studien (Beethoven-Haus, Bonn; G. Henle Verlag, Munich-Duisburg, 1972, pp. 60–63). A more recent edition was prepared by Hess for Breitkopf & Härtel in Wiesbaden and published under the title Fugue aus Händels Ouverture “Solomon” (HWV 67): für Streichquartett, von Ludwig van Beethoven, circa 1994.

Analytical Commentary

Beethoven’s transcription is notable for its fidelity to Handel’s contrapuntal writing, yet it also reveals subtle interventions that reflect his own compositional sensibilities. For instance, in measure 15, second half, Beethoven alters the viola’s final eighth note into a quarter note—likely to rhythmically distinguish the viola from the cello. A similar rhythmic adjustment occurs in measure 37, where the cello’s first two quarter notes are subdivided into four eighth notes, suggesting Beethoven’s discomfort with the abrupt interruption of the flowing eighth-note motion.

In measure 41, Beethoven attempts to extend the cello’s thematic line by one measure beyond the original. However, this leads to a harmonic inconsistency in the following bar: the seventh of the secondary chord fails to resolve to the third, instead leaping upward. The doubling of the seventh by the viola appears to be a scribal error; the original reads G, not F.

The manuscript itself bears signs of haste. Beethoven draws bar lines across the entire page rather than per system, and clef usage is inconsistent—particularly in the viola part, where treble, alto, and bass clefs appear in chaotic succession. Despite these irregularities, the transcription offers compelling insight into Beethoven’s engagement with contrapuntal technique. Autograph annotations such as “abbreviato” in measure 30 underscore his attention to linear structure and voice leading.

Judging by the handwriting and stylistic features, this transcription likely postdates Beethoven’s quintet arrangement of the B minor fugue from Bach’s Well-Tempered Clavier and predates his string quartet transcription of the same fugue. Thus, it can be situated between 1801 and 1817.

The Deutsche Staatsbibliothek in Berlin, which holds the autograph, kindly granted permission for its first publication. For further reference, see Willy Hess’s article Ein ungedruckter Streichquintettsatz Beethovens, with first edition of the piece (Schweizer Musikzeitung, October 1955, pp. 424–427). Since the piece was later included in Volume VI of the Supplemente zur Beethoven-Gesamtausgabe, reprinting the article is no longer necessary.

EINE BACH- UND HÄNDELBEARBEITUNG BEETHOVENS

In der Oktobernummer 1953 der Schweizer Musikzeitung habe ich Beethovens Quintettbearbeitung der b-Moll-Fuge aus dem Wohltemperierten Klavier I besprochen und faksimiliert. Unterdessen bin ich durch das Entgegenkommen von Frau Dr. Hedwig Kraus, der Archivdirektorin der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, auch in den Besitz der Photokopie von Beethovens Quartettbearbeitung der h-Moll-Fuge derselben Sammlung gekommen. Im Gegensatz zum erstgenannten Werke handelt es sich hier um eine überaus flüchtige Niederschrift, die zudem Fragment blieb, indem die Bearbeitung nach Takt 32 abbricht. Außerdem sind die Takte 21-27 von Beethoven übersprungen worden. Die Eiligkeit der Niederschrift äußert sich auch im vielfachen Versehen der Schlüssel: Wir finden namentlich in der Bratschenstimme Violin-, Alt- und Baßschlüssel in buntem Durcheinander. Änderungen im kontrapunktischen Satz sind kaum vorhanden. In Takt 13 scheint im Violoncell die halbe Note in zwei Viertel aufgelöst, so weit ich die Stelle lesen kann. In Takt 19 beginnt die zweite Geige nicht mit dem originalen kleinen fis, sondern dem eingestrichenen a, dafür bekommt die Bratsche dieses fis als Achtel hinzugefügt. In T. 31 vertauscht Beethoven im letzten Viertel die beiden oberen Stimmen, die dann im folgenden.

Die Datierung dieses Fragmentes ist durch eine kleine, auf der zweiten Seite befindlichen Skizze ermöglicht. Hier finden wir nämlich folgendes Thema.

Dies ist das Kopfthema einer 1817 begonnenen Fuge für Streichquintett, deren langsame Einleitung in Partiturreinschrift vollendet  wurde (Berliner Beethoven-Autograph Artaria 185a)1. Von der Fuge sind lediglich einige Takte skizziert worden. Beethoven hat also das Aussetzen jener Bach-Fuge in Partitur offenbar vorgenommen, um sich zur Fugenkomposition anzuregen. Nachdem er den Einfall des oben mitgeteilten Themas hatte, ließ er die Bachbearbeitung hegen.

Als eine dritte Bearbeitung dieser Art bringen wir im folgenden das vollständige Faksimile von Beethovens Streichquartettbearbeitung der Fuge aus der Ouvertüre zu Händels Salomo. Das originale Orchester umfaßt 2 Oboen, Streicher und Continuo. Beethoven hielt sich bei seiner Kopie ausschließlich an die Streicher, berücksichtigte die Oboen selbst dann nicht, wenn sie nicht mit den Violinen unisono geführt sind. Eine erste kleine Abweichung von Händels Originaltext bringt die zweite Hälfte von Takt 15 in der Bratsche, indem Beethoven aus der Achtel des letzten Tones eine Viertel macht, zweifellos, um die Bratschenstimme rhythmisch vom Violoncello zu trennen. Einer ähnlichen rhythmischen Korrektur diente die Auflösung der beiden ersten Viertel der Cellopartie von Takt 37 in vier Achtel: Das plötzliche Unterbrechen der laufenden Achtel hat Beethoven offenbar gestört. In Takt 41 versuchte er wohl, im Cello das Thema einen Takt weiterzuführen als wie es im Original der Fall ist, geriet aber dabei in Konflikt mit der Fortsetzung im folgenden Takt, indem nun die Septime des Sekundakkordes sich nicht in die Terz auflöst, sondern nach oben springt. Die Verdoppelung der Septime durch die Bratsche ist wohl ein Schreibfehler; im Original steht g und nicht f. Überhaupt macht das Ganze den Eindruck einer hastigen Kopie, zieht doch Beethoven die Taktstriche gleich summarisch über die ganze Seite statt für jedes System einzeln! Trotzdem ist diese Abschrift für seine Beschäftigung mit kontrapunktischen Problemen überaus fesselnd, und eigenhändige Bemerkungen wie „abbreviato“ in Takt 30 zeigen, wie sehr er sich mit der linearen Struktur des Ganzen beschäftigt hat. Der Handschrift nach zu urteilen, dürfte diese Bearbeitung später als die erwähnte Quintett- und früher als die Quartettbearbeitung aus dem „Wohltemperierten Klavier“ entstanden sein, also zwischen 1801 und 1817. Das Autograph (Gr. 13) befindet sich im Besitz der Deutschen Staatsbibliothek in Berlin, die mir die Erlaubnis zur Erstveröffentlichung freundlicherweise erteilt hat.

1 Vgl. Willy Hess: Ein ungedruckter Streichquintettsatz Beethovens, mit Erstabdruck des Stückes (Schweiz. Musikzeitung, Oktober 1955, S. 424-427). Da das Stück in Band VI der Supplemente zur Beethoven-Gesamtausgabe aufgenommen wurde, erübrigt sich hier ein Nachdruck des genannten Artikels.