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Köhler – Studies in Figured Bass, Part II, Chapter 14: Fifth Species of Four‑Part Strict Simple Counterpoint

Beethoven Studien im Generalbass, Contrapunkt und der Composition – Neue Ausgabe von Louis Köhler

Zweiter Abschnitt. Theorie der Composition: Vierzehntes Capitel – Fünfte Gattung des vierstimmigen, strengen, einfachen Contrapunktes

Auch in dieser, gleichwie in der vorigen Species, ist es erlaubt, der Nothwendigkeit wegen mweilen den ganzen Schlag einer Ausfüllungsstimme in zwei Hälften zu theilen.

(Frohberger, ein alter Componist, soll kurze Stucke gemacht haben, worin er gar keine Quarte in der Zusammensetzung der Stimmen, nicht einmal jene, welche in perfecten accord der zweite Ton von oben ist, anbrachte, lim durch ein solches allerreinstes Tricinium die Dreieinigkeit Gottes darzustellen. Diese Setzweise nennt man Harmonia sine quarta consonante. So erzählte mir heute Albrechsberger.)

Da nunmehr die fünf Gattungen geendigt sind, so muss man sie jetzt mit einander verbinden, nämlich den Choralgesang beibehalten und in einer Stimme halbe Schläge, in der ändern Vierte] und in der letzten Bindungen setzen, wodurch die Composition eine besondere Veränderung erhält:

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Köhler – Studies in Figured Bass, Part II, Chapter 13: Fourth Species of Four‑Part Strict Simple Counterpoint

Beethoven Studien im Generalbass, Contrapunkt und der Composition – Neue Ausgabe von Louis Köhler

Zweiter Abschnitt. Theorie der Composition: Dreizehntes Capitel – Vierte Gattung des vierstimmigen, strengen, einfachen Contrapunktes

Die Regel: dass die Harmonie zu den Bindungen beständig aus drei Schlagen bestehen soll,kann richt immer so genau beobachtet werden. Es muss manchmal ein ganzer Schlag in zwei halbe getheüt Werden, wie sich jetzt zeigen wird. Die Bindungen im vierstimmigen Satze verlangen die nämlichen Accordanzen, welche sie ersten, wenn mail die Ligaturen aufhebt. Somit bleiben also die Begleitungs-Intervalle eben dieselben, die contrapunktirte Note mag gebunden oder ungebunden sein:

Jedoch in mehreren Fällen betrügt diese Regele da man gezwungen ist, zu den Bindungen mit drei ganzen Schlägen einen ganzen Takt zu setzen, so kann solches nicht geschehen in jenen Sätzen, woselbst die gebundene Sept mit der Quinte verknüpft ist, weil mit selbiger durch die Auflösung der Ligatur eine verbotene Dissonanz entstünde. Man muss demnach auch die Ausfüllungsnote in zwei Hälften zertheilen; nämlich:

Die eingeschobene Note der Mittelstimme kommt hier gar nicht in Betrachtung, und vertritt die Stelle einer unvollkommenen Consonanz. Daher ist diese Fortschreitung eben so anzusehen, als wenn man von einer vollkommenen Consonanz zu einer unvollkommenen in motu recto sich bewegt.

In diesem Beispiele kommen beim NB. absichtlich zwei reine Qinten: vor, weil dieses Intervall zum perfecten Accord und zur vollständigen Harmonie desselben doch unumgänglich nothwendig gehört.

Bei dem ersten NB. ist die Secunde verdoppelt, und die zur vollkommenen Harmonie 4 erforderliche Sexte mangelt. Das zweite NB. deutet auf die verdoppelte Quarte, wo doch der Regel nach eher die Secunde als die Quarte dupplirt werden sollte. Alles kömmt auf die vollständige Harmonie an; da nun dieselbe aus der Terz, Quinte und Octave besteht, oben aber anstatt der Octave die Quinte verdoppelt wurde, so ist klar, dass dieser Accord nicht alle seine Intervalle hat. Dergleichen Mängel muss man der Strenge dieser Gattung zu Gute halten; aber dem Schüler schafft diese Uebung grossen Nutzen, indem sie ihm nicht nur die mannigfaltigen Arten der Zusammensetzungen lehrt, sondern zugleich auch bestimmte Grenzen anweist, wie weit und in welchen Fällen eine Abweichung von den strengen Gesetzen nicht nur Glaubt, sondern vielmehr unausweichlich durch die eiserne Nothwendigkrft bedingt wird.

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Köhler – Studies in Figured Bass, Part II, Chapter 12: Third Species of Four‑Part Strict Simple Counterpoint

Beethoven Studien im Generalbass, Contrapunkt und der Composition – Neue Ausgabe von Louis Köhler

Zweiter Abschnitt. Theorie der Composition: Zwölftes Capitel – Dritte Gattung des vierstimmigen, strengen, einfachen Contrapunktes

Da die vier im Contrapunkte vorkommenden Noten fortwährend sich bewegen müssen, so kann schlechterdings nicht vermieden werden, dass selbe nicht mitunter die zunächstliegenden Stimmen durchkreuzen und dieselben Intervalle berühren sollten. Die verdeckten fehlerhaften fbrtschreitungen müssen ebenfalls gestattet werden und sind in den Mittelstimmen am erträglichsten. Fux entschuldigt sogar solche Gänge:

Per parenthsim: ich glaubte kein Majestätsverbrechen zu begehen, und vermeine, dass mich dereinst in den elisäischen Feldern die hochmögenden Herren mit den Allongeperücken deshalb nicht schief über die Achsel ansehen werden, weil ich mich ermächtigte, hie und da in eine Dissonanz hinein oder davon wegzuspringen, oder gar frei anzuschlagen. Der gute Gesang war mein Führer; ich bemühte mich, so fliessend als möglich zu schreiben, und getraue mir’s vor dem Richterstuhle der gesunden Vernunft und des reinen Geschmacks zu verantworten. Was leicht zu singen, ohne langes Suchen zu finden, und sicher zu treffen ist, kann unmöglich fehlerhaft sein. Bios in dieser Beziehung, um nur nichts Widernatürliches, für die menschliche Kehle Unausführbares hinzuschreiben, wurden uns so enge Fesseln angelegt. Wer sich davor nur hütet, mag sie immerhin abstreifen oder mindestens lockerer machen* es ist wahrlich nichts dabei riskirt. Satis pro peccatis.

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Köhler – Studies in Figured Bass, Part II, Chapter 11: Second Species of Four‑Part Strict Simple Counterpoint

Beethoven Studien im Generalbass, Contrapunkt und der Composition – Neue Ausgabe von Louis Köhler

Zweiter Abschnitt. Theorie der Composition: Elftes Capitel – Zweite Gattung des vierstimmigen, strengen, einfachen Contrapunktes

worin alle, früher im a tre gegebenen Regeln ihre volle Gültigkeit haben.

In dieser Species darf man auch im vorletzten Takte statt zwei halben eine ganze Note setzen, um mit dem Choralschluss die Cadenz zu erweitern. Auch pflegen gute Meister zuweilen die Minortonarten ganz ohne Terz, weder weich, noch hart zu endigen; die farblose, leere Quinte bringt eine unbestimmte, fast düstere Wirkung hervor und erweckt in dem Zuhörer, beinahe dem Plagalschluss vergleichbar, eine erst auf Befriedigung hoffende Sehnsucht.

Im vorstehenden Schlusstakte fehlt die Quinte E, weil sonst, um dieselbe zu erhalten, von dem Leittone Gis, welcher seiner Natur gemäss eine Stufe höher verlangt, hätte zuriickgesprungen werden mussen.

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Köhler – Studies in Figured Bass, Part II, Chapter 10: Four‑Part Strict Simple Counterpoint (Examples 1–8)

Beethoven Studien im Generalbass, Contrapunkt und der Composition – Neue Ausgabe von Louis Köhler

Zweiter Abschnitt. Theorie der Composition: Zehntes Capitel – Von der vierstimmigen, strengen, einfachen Contrapunktes

Hier erhält jeder Accord tlas ihm zuständige vierte Intervall. Wo man hinsichtlich einer lerhaften Fortschreitung von der Octave keinen Gebrauch machen kann, da wird die Terz, sparsam jedoch die Sexte verdoppelt, vorausgesetzt, dass beide nicht Leittöne sind.

Hauptsächlich muss von den dreierlei Bewegungen ein zweckmässiger Gebrauch gemacht wer’ den, und eben sowohl sehe man auf die Verhältnisse der Theile zu ihrer Grundbasis, als auch de ‘ selben unter einander, denn, der obehliegende Choral kann z. B. allerdings mit dem Basse re& ssig harmoniren, dagegen aber zu einer der Mittelstimmen eine fehlerhafte Fortschreitung indessen erheischt manchmal die Nothwöndigkeit, dass man bei einer verdeckten Quinten- oder Octavenfolge ein Auge zudrücke (oder eigentlicher: das Ohr verstopfe).

Es liegt viel daran, ein jedes Intervall gemäss der natürlichen Ordnung an seinen rechten Platz ju setzen, damit jede Stimme fliessend sich dahin schlängelt; man muss daher immer weiter sehen, um von einem Takte zum ändern richtig fortzuschreiten, widrigenfalls man zu Abänderungen bemüssigt ist.

Den Ort, welchen die Consonanzen einnehmen sollen, zeigt Natur und wahres Gefühl.

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Köhler – Studies in Figured Bass, Part II, Chapter 9: Fifth Species of Three‑Part Simple Counterpoint

Beethoven Studien im Generalbass, Contrapunkt und der Composition – Neue Ausgabe von Louis Köhler

Zweiter Abschnitt. Theorie der Composition: Neuntes Capitel – Von der fünften Gattung des dreistimmigen, einfachen Contrapunktes

Die Ausfüllungsstimme erhält hier, sowie in den vorigen Gattungen, das jedem Accorde zustehende Begleitungsiutervall. Der Contrapunkt soll einen möglichst schönen, natürlich fliessenden Gesang erhalte Verminderte und übermässige Sprünge bleiben immerdar verboten. Die Cadenzen können entweder nach der zweiten oder, mit Ligaturen, nach der vierten Species gemacht werden.

Bei diesem NB. ist zwar ein fehlerhafter Ruhepunkt, ein sogenannter Einschnitt, ämlich die halbe Note D, In Arsi, jedoch dadurch verbessert, dass selbe im nächsten Takte schon gebunden liegt.

Viele behaupten: jeder Minorsatz müsse nothwendig auch eben so endigen. Nego! Im Gegentheile finde ich, dass eben in den weichen Tonleitern die grosse Terz am Schlüsse von herrlicher, ungemein beruhigender Wirkung sei. Nach Leid folgt Freude; auf Kegen— Sonnenschein. Ist mir’s doch dabei zu Muthe, als wenn ich zum milden Silberglanz des flimmernden Abendsterns aufschäue!

Hier ist eine Licenz. Ich habe von dem alten Machtspruch: Keine Regel ohne Ausnahme (nulla regula sine ecceptione( auch einmal Gebrauch machen wollen und mit einer Sexte angefangen, nämlich im ersten Takte einen imperfecten Accord gemacht, wo doch ear officio ein vollkommener sein sollte. Ohne Reue zu fühlen, gelobe ich dennoch Besserung, und will beim vierstimmigen Satze diese Todsünde dadurch abbüssen, dass ich unter das Tenor – C als GrunTo n die Terz A setze, dann gibt’s ein completes Quadricinium, dann wird’s wohl recht seinjdie Herrn Philister werden mir nichts joihaben können und nolens volens mich pardoniren müssen.

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Köhler – Studies in Figured Bass, Part II, Chapter 8: Fourth Species of Three‑Part Simple Counterpoint

Beethoven Studien im Generalbass, Contrapunkt und der Composition – Neue Ausgabe von Louis Köhler

Zweiter Abschnitt. Theorie der Composition: Achtes Capitel – Von der vierten Gattung des dreistimmigen, einfachen Contrapunktes

Hier sind abermals im Aufstreich nur consonirende Accorde zu machen, in Thesi, woselbst die Bindung liegt, können auch Dissonanzen mit den ihnen zuständigen Gefährten Vorkommen, z. B– Somit darf auch selbst der Quartsext-Accord im Niederstreich angebracht werden. Alle Dissonanzen resolviren abwärts. Die leeren Accorde:  sind stets in Arsi, übrigens nur im ersten und letzten Takte zu gebrauchen. Die kleine Terz kann gut verdoppelt werden, die grosse jedoch blos in der Mitte, als dritter Ton, niemals als siebenter (semitonium modi).— (Vieles wird durch die Regeln in der Höhe verboten, was in der Tiefe erlaubt ist, weil die Tiefe das Gehör nicht so kräftig rührt. Die Höhe erhebt die Tiefe verdunkelt.) Wenn der Bass als Orgelpunkt ruht und eine Oberstimme die Bindungen darüber macht, so sind diese Dissonanzen nicht nur nicht fehlerhaft, sondern vielmehr sehr schön.— Die Cadenzen können auf dreierlei Art gemacht werden: A. wenn der Contrapunkt oben, B. in der Mitte und C. unten liegt nämlich:

In diesem Beispiele kommt die Septligatur gar häufig vor. Durch ein paar frei angeschlagene Consonanzen hätte diesem Lebelstande gesteuert werden können. Beim vierten und fünften Takte von rückwärts finden sich heimliche Quinten.

Auch hier wurde mit der gebundenen Secunde verschwenderisch umgesprungen. (Die vielen nachschlagenden Quinten gelten für keinen Fehler. Sonderbar! Meine Wenigkeit kann platterdings keinen Wohlgefallen daran finden).

Variation dieses Chorals mit neuem Contrapunkt und anderer Grundstimme:

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Köhler – Studies in Figured Bass, Part II, Chapter 7: Third Species of Three‑Part Simple Counterpoint

Beethoven Studien im Generalbass, Contrapunkt und der Composition – Neue Ausgabe von Louis Köhler

Zweiter Abschnitt. Theorie der Composition: Sibentes Capitel – Von der dritten Gattung des dreistimmigen, einfachen Contrapunktes

In dieser soll hauptsächlich auf jene Noten gesehen werden, welch in Thesi fallen. Kall dem ersten Viertel in Arsi der harmonische Dreiklang nicht Platz finden, so sucht man solchers beim zweiten oder dritten zu bewerkstelligen. Alle Dissonanzen dürfen wieder nur in stufemassiger Fortschreltung, auf schlechte Takttheile fallend, und nie sprungweise angebracht werden. Die Cadenzen lassen sich folgender Massen modificiren:

Die drei letzten Beispiele sind fehlerhaft, weil von Dissonanzen weg und hinein gesprungen, auch die Octave auf einen guten Takttheil angeschlagen wird. In der Mittelstimme können Einklänge, Quinten und Octaven Vorkommen, wenn nur Zwischen- Intervalle angebracht werden und eine der beiden ändern Stimmen die Gegenbewegung hat.

Bei den Versetzungen man heflissen sein, neue Harmonien Hervozubringen:

Nach den bereits bein zweistimmigen Satze gegeben Regeln darf man auch, als harmonische Note, die Quarte im Quart -, Sext- und Terzsext – Accorde durchspringen, voraugesetzt, dass selbe, in arsi, auf einen schlechten Takttheil fallt.

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Köhler – Studies in Figured Bass, Part II, Chapter 6: Second Species of Three‑Part Simple Counterpoint

Beethoven Studien im Generalbass, Contrapunkt und der Composition – Neue Ausgabe von Louis Köhler

Zweiter Abschnitt. Theorie der Composition: Fünftes Capitel – Von der zweiten Gattung des dreistimmigen, einfachen Contrapunktes

Hier werden abermals, sowie im Bticinium, zwrei Noten gegen eine gemacht, und die dritte oder Ausfüllungsstimme, bekommt mit dem Choral Noten von gleich langer Dauer. Zwei Octaven Quinten und Einklänge sind jetzt in der Mitte, wenn ein Terzsprung dazwischen, erlaubt, in der Ober- und Unterstimmen aber immer noch fehlerhaft:

Besser ist es, wenn diese fehlerhaften Intervalle auf den schlechten Takttheil. (in Arsi) fallen:

(Erträglicher vielleicht, doch wahrlich nicht gut. Für meine Ohren hässlich.)— Man kann abermals mit einer Panse anfangen; eine Dissonanz darf zwischen zwei Consonanzen von gleicher Benennung eingeschlossen werden; der Niederstreich muss jederzeit consoniren, der Anf- streich jedoch mag auch stufenweise dissoniren; im letzteren ist auch der Einklang erlaubte Thesi aber, als erste und letzte Note, einzig blos im Anfangs- und Schlusstakt. Von Dissonanzen lässt sich in Sprüngen nur die verminderte Quarte und Quinte anbringen. Cadenzen können folgende gemacht werden:

“Wie aus dem Vorhergegangenen bereits erhellt, so pflegt man beim Signiren anstatt der doppelten Ziffern: 13, 11 und 10, der bequemeren Uebersicht wegen sich lieber der einfachen: 6, 4, und 3, zu bedienen, da ohnehin die Entfernung vom Basse keine Veränderung hervorbringt.

Bei der Versetzung der Choräle ist es am zweekmässlgsten, aus einem Alt oben einen Violin, unten aber einen Bass zu machen, nämlich eine Oetave höher oder tiefer zu transponiren ein Tenorchoral wird hinauf in einen Sopran verwandelt, unten kann er bleiben.

Die letzte Versetzung dieses Chorals könnte auch auf nachfolgende Weise variirt werden:

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Köhler – Studies in Figured Bass, Part II, Chapter 5: First Species of Three‑Part Simple Counterpoint

Beethoven Studien im Generalbass, Contrapunkt und der Composition – Neue Ausgabe von Louis Köhler

Zweiter Abschnitt. Theorie der Composition: Fünftes Capitel – Erste Gattung des dreistimmigen, einfachen Contrapunktes

Hier muss Sorge getragen werden, dass jeder Accord einen vollkommenen oder unvollkommenen harmonischen Dreiklang enthalte, nämlich  oder eines dieser Intervalle verdoppelt, welches jedoch niemals der siebente grosse Ton, die nota sensibilia sein darf. In zwei Stimmen sind nunmehr schon verdeckte Octaven, Quinten und Einklänge gestattet,wenn nur die dritte in der Gegenbewegung geht oder der Bass einen Quartensprung macht:

Die verdeckten Fortschreitungen werden offenbar, wenn man den Zwischenraum entweder in Gedanken oder wirklich mit kleinen Nötchen ausfüllt. Die leeren Accorde sind nur Anfangs und am Ende erlaubt in der Mitte jedoch immer, gleich allen  und den übrigen dissonirenden Harmonien, verboten. Man soll jederzeit auf einen schönen, fliessenden Gesang sehen, alle unnatürlichen Sprung vermeiden und den Stimmen keinen grösseren Umfang als jenen der Oktave, d. h. innerhalb der fünf Linien zumuthen.— Des angenehmen Wechsels halber gebrauche man nicht immer diesel ben Intervalle und mische perfecte mit inperfecten Accorden. Zur Cadenz bekommt der letze Takt 8/8 wenn der Choral oben in der Mitte steht;  und nur, indem er die unterste Stimme einnimmt, kann  der reine Dreiklaiig 8/3  Platz finden in welchem Falle alsdann der Terz-Sextenaccord vorhergeht:

Aus dem Gesagten ergibt sich von selbst, dass der Cantus firmus in alle Stimmen versetzt werden kann; in diesem Falle müssen jedoch, um eine weder zu hohe, noch zu tiefe Stimmen- läge zu erhalten, die Schlüssel verändert und der Gesang nach Erforderniss transponirt werden.

Am Schlüsse kann mau nach Belieben die kleine oder grosse Terz setzen:

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