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Köhler – Studies in Figured Bass, Part II, Chapter 4: Simple Three‑Part Counterpoint

Beethoven Studien im Generalbass, Contrapunkt und der Composition – Neue Ausgabe von Louis Köhler

Zweiter Abschnitt. Theorie der Composition: Viertes Capitel – Beispiel – Sammlung

Bei dem ersten NB. ist durch die Fortschreitung der Terz in die Octave eine Cadenz inderBaupt- tonart gemacht worden, welche inmitten verboten ist und erst am gänzlichen Schlüsse Platz findet. Beim zweiten NB. sind heimliche Quinten in gerader Bewegung, und beim dritten abermals ein regelwidriger Schlussfall in die Tonica. Auch hüte man sich wohl vor zwei auf einander folgenden grossen Terzen, wie z- B. > weil solche einen unharmonischen Querstand bilden, welcher mi contra fa oder fa contra mi genannt wird, indem das erste Paar zu den Kreuz- oder mi – Tonarten, das letzte zu den fa-, nämlich B- Scalen gehört, worauf sich auch das alte lateinische Sprüchlein bezieht: Mi contra fa, est diabolus in musica.— Allerdings mag solches, gleich der übermässigen Quarte, dem Tritonus, und der grossen Sexte,schwer zu singen, und deswegen gleich dem leeren Einklänge in der Mitte unerlaubt sein, so wie im zweistimmigen Satze eine gewisse Härte keineswegs sich abläugnen lässt; indessen, mit voller Harmonie nimmt sich die Rückung von E nach F, trotz dem verpönten nd contra fa, sollte ich meinen, doch so übel nicht aus:

Mehrere Terzen nacheinander sind ebenfalls nicht gut, weil sie gemein und liedermässig klingen; desgleichen eine Reihe von Sexten, so wie alle verminderten, übermässigen Septimen- und jene über die Octave hinausreichenden Sprünge.

Der siebente grosse Ton, der sogenannte Leitton, nota sensibilis, darf niemals verdoppelt werden; theils, weil er ohnehin scharf iife Gehör fällt, theils, weil er schon seiner Natur gemäss aufwärts steigen muss, folglich beide Stimmen in gerader Bewegung reine Octaven – Gänge machen würden. Dieses Intervall kann auch in mancherlei Gestaltung erscheinen und immer in eine andere Tonleiter führen:

Zweite Gattung des zweistimmigen, einfachen Contrapunktes

Der Nonensprung in drei Noten beim NB. ist schwer zu treffen, daher zu vermeiden.

Hier ist es besser, wenn in der Mitte die unvollkommenen Consonanzen: Terzen, Sexten und Decimen, das schwere Takttheil einuehmen, hingegen auf die zweite Note die vollkommenen,nämlich Quinten und Octaven,angebracht werden.

Man glaubt bei dem folgenden NB. die beiden reinen Octaven durch den Quintensprung, welcher einen grösseren Raum einnimmt und somit dem Gehör weniger empfindlich sein soll, verbessert.

Der Einklang beim zweiten NB. ist gut, weil er auf das schlechte Takttheil fällt  nur in Thesis bleibt er verboten, woselbst er zu leer klingt und einen Schlussfall bildet. — Die letzte Cadenz, ist der phrygischen Tonart gemäss, nämlich: C, D statt Dis, weil der GrunTo n F heisst.

Beim NB wird die erste Stimme von der zweiten überstiegen; weil man aber immer vom Basse aus zählt, so musste mit einer Sexte beziffert werden, wiewohl es gleich einer Terz klingt. Im vorletzten Takte wurde die Terz durch die Sexte vorbereitet, eine nothweudig bedingte Liceuz, denn mit der gesetzmässigen Quinte entstände ein unharmonisches mi contra fa. In den Tripel- Taktarten kann die mittlere Note, wenn sich alle drei stufenweise bewegen, eine Dissonanz sein, ausser bei einem Sprunge,wo man sich unabänderlich nach der Regel richten muss:

(Der Tropfen Wasser durchlöchert endlich einen Stein, nicht mit Gewalt, sondern, indem er oft darauf fällt: nur durch unermüdeten Fleiss werden Wissenschaften errungen, so dass man in Wahrheit sagen kann: „Keinen Tag ohne Linie!” „Nulla dies sine linea”—Verloren ist jeder, au dem wir nicht etwas Nützliches erlernt haben. Der Mensch besitzt nichts Edleres und Kostbareres, als die Zeit; darum verschiebe nie auf morgen, was du heute zu thun vermagst.) Iu der strengen Schreibart, wohin alle Kirchenstücke gehören, welche eigentlich blos für Siugstimmen gesetzt sind, uud aus dem Grunde nur perfecte und imperfecte Accorde enthalten dürfen, weil die Intervalle derselben leichter zu treffen sind, als alle vermiuderten und übermässigen,— in diesem Style ist es auch verboten, zwei Noten von einerlei Buchstaben anzubringen, z.B. cc,—ee,— gg,— u.s.w.— Jedoch finden auch hier zwei Ausnahmen Statt. Die erste: bei der sogenannten „ligatura rupta” oder: gebrochenen Bindung:

Die zweite: in Gesangstellen, woselbst rücksichtlich der aus mehreren Sylben zusammenge

In der freien Schreibart, woselbst man auch Dissonanzen in Thesi setzen darf,werden zwei Noten gegen eine auf doppelte Weise behandelt. Ein Mal kann die erste Note eine Consonanz und die zweite eine Dissonanz sein; solches heisst bekanntermassen: der reguläre Durchgang. Zum ändern kauu gegenseitig die erste eine Dissonanz, die zweite aber eine Consonanz sein, uud diese Eigenschaft macht, wie wir gehört haben, den irregulären Durchgang aus. Doch sind diese Art Dissonanzen von jenen, die zufällige oder wesentliche heisseu, abermals unterschieden. Die wesentlichen müssen von der vorher gegangenen Harmonie präparirt (vorbereitet) uud bei der nächstfolgenden aufgelöst werden; auch kann sowohl der wesentlich dissonirende, als der aufgelöste Accord eine oder mehrere Taktzeiten einnehmen; eben so kann die Harmonie , womit der dissonirende Accord präparirt wurde, in der Anzahl der Taktzeiteu entweder gleich, oder ungleich sein, d.h. die gedachte Harmonie kann allerdings mehr, aber nie weniger Taktzeiten haben, als jene, welche deu dissonirenden Accord präparirte. Derselben Vorbereitung unterliegen uch die zufälligen Dissonanzen, nur in der Resolution (Auflösung) weichen sie von einander ab indem die wesentlichen sich erst bei den folgenden, die zufälligen aber bei der nämlichen Harmonie auf lösen. Es gibt also dreierlei Arten von Dissonanzen: l) Jene des regel- unregelmässigen Durchgangs; 2) Wesentliche; und 3) Zufällige. Somit entstehen consoniende und dissonirende Accorde mit einer oder mehreren Dissonanzen.

Dritte Kattung des zweistimmigen, einfachen Contrapunktes.

Hier beim NB. ist der Sexte major Sprung besser in den zwei ersten Noten, als in den übrigen. Wohl hüte man sich auch vor Eintönigkeit (Monotonia), nämlich einer Wiederholung derselben Noten in zwei auf einander folgenden Takten, welchen Uebelstand selbst eine veränderte Grnndstimme nicht beseitigt:

Der Sexte major Sprung herab ist selten gut.— Nach drei oder vier steigenden oder fallenden Noten soll die nächste stufenweise gehen und nie gesprungen werden. Auch die Quarte wenn sie im Aufstreich als dritte Note erscheint, muss sich herab oder hinauf stufenweise bewegen, nicht aber zwischen zwei gleichnamigen Consonanzen eingesperrt werden, weil es sonst einem Quartsext- Accord gleicht. Dieser wird nur alsdann geduldet, wenn der Contrapunkt alle Intervalle einer perfecten oder imperfekten Harmonie regelmässig durchspringt und die dissonirende Quarte jederzeit auf einen schlechten Takttheil, das heisst: auf den zweiten oder vierten fällt;

Das bei dem NB die Quarte nach der Sexte springt, ist eine gute Licenz, weil alle vier Noten im Accorde liegen und daher leicht zu singen sind.

Hier wird in der Cadenz von der Sept in die Quinte gesprungen dies ist die bekannte Fux sche Wechselnote, von ihrem Erfinder, dem k. k. Obercapellmeister Johann Fux also zugenannt, welcher das erste theoretische Lehrsystem über die Tonkunst, unter dem Titel: Gradus ad Parnassum verfasste, jenes berühmte Werk, das sein erhabener Mäcen Kaiser Carl VI. zum Drucke beförderte.

Vierte Gattung des zweistimmigen, einfachen Gontrapunktes.

Da hier in Test jederzeit eine Ligatur sein muss, welche auch dissoniren darf, so ist hinsichtlich der Auflösung der Dissonanzen (de dissonantiai’inn resolutione) zu bemerken: dass eine gebundene Note nichts anderes sei, als eine Verzögerung der folgenden, welche alsdann, gleichsam erlöst aus den Banden der Knechtschaft, sich wieder in Freiheit befindet deswegen sind alle Dissonanzen immer in die nächste Consonanz, die sich stufenweise herunter bewegt, aufzulösen.— Um nun schon im ersten Takte eine Ligatur anbringen zu können, ist es nothwendig, den Contrapunkt mit einer Tause, welche die Hälfte des ganzen Taktes gilt, zu beginnen.

Hier beim NB. ist eine Licenz die Quarte springt nämlich in die Sexte, um in Arsi eine Fortschreitung in Quinten zu vermeiden. Durch eine im Niederstreiche frei eintretende Note wäre ebenfalls dem Uebel abzuhelfen gewesen.

Fünfte Gattung des zweistimmigen, einfachen Contrapunktes.

In den damaligen Zeiten der Steifheit waren die hei dieser Gattung erlaubten Zierathen schon beinahe gleichnamig mit dem, was man heutigen Tages figurirten Gesang und Coloraturen nennt.- Teinpora mutantur. Wie wird man wohl nach einem Säculum über die gepriesenen Werke unserer Lieblings-Componisten urtheilen? Indem fast Alles dem Wechsel der Zeiten lind,leider! auch dem Modegeschmacke unterliegt,, steht nur das wahrhaft Gute und einzig Wahre felsenfest, und keine Frevlerhand wird jemals d.aran sich zu vergreifen wagen. So thue denn Jeder, was recht ist; strebe hinan mit aller Kraft zum niemals erreichbaren Ziele} bilde aus bis zum letzten Athemzu- £e die Gabe,welche des Schöpfers Milde ihm verliehen, und höre nimmer auf zu lernen; denn: „kurz ist das Lehen, ewig die Kunst!” Hier hat die erste Gattung bis zum letzten Takte einen Platz. Die zweite und dritte soll auch nie über ein Paar Takte währen. Zwei Achtelnoten dürfen nur auf schlechte Takttheile fallen,und eine halbe Note ist Anfangs besser placirt, als in der Mitten in diesem Falle muss sie schon mit dem folgenden Takte gebunden werden:

Auch die falsche Quinte ist verboten. Ich möchte eine Ausnahme machen, wenn sie tonarts- mässig ist;  z. B. in F dur: in welcher Gestalt sie wenigstens für mich wohlklingender ist, als die reine:

Ueberhaupt scheinen so manche Zwangsregeln mehr nach Schul-Pedanterie zu schmecken, als sie es wirklich sind. In jener Epoche war die ausübende Tonkunst gleichsam noch in den Grenzen der Kindheit; alles beruhte auf den Vocalisten, die damals gänzlich des unterstützenden Orchesters entbehrten, und der Componist konnte seine Kenntnisse nur durch einen kunstreich verwebten harmonischen Bau beurkunden, da er, bei der Heiligkeit des Gegenstandes, für welchen er arbeitete, freiwillig auf jede Wirkung der Melodie verzichten musste. Ausserdem waren seine Werke zunächst für die Aufführungen in Italiens riesenmässigen Tempelhallen bestimmt, woselbst eine so rasch wechselnde Modulation, wie sie jetzt gewöhnlich, die Einheit des Ganzen bis zur Undeutlichkeit entstellt haben würde. Somit war es denn BBr das Resultat der reiflichsten, wohlberechnetsten Ueberlegung, wenn die alten Meister in ihren einfachen Choral – Melodien sich auch nur auf die einfachsten Accorde, auf die reinsten Harmonien beschränkten, diese langsam, feierlich, in breiten Massen also entwickeln und austönen Hessen, dass niemals eine in die andere verfliessen konnte, dabei alle Intervalle und Rückun- ßen beseitigten, die nicht leicht und natürlich waren, damit der Sänger seiner Intonation immerdar vollkommen gewiss und sicher sein mochte. Wenn man nun, wie billig, diese ‘Verfahrensweise ganz zeitgemäss, nothwendig und den Erfordernissen höchst entsprechend nennen nuss, so darf man es auch andererseits den Nachkömmlingen nicht verargen, wenn sie, ohne die Grund-Principien aus den Augen zu verlieren, um einige Schritte weiter gehen, im weniger Weltlichen einen neuen Weg sich bahnen, dem Erfindungsvermögen, der Phantasie, ihre Urrechte gestehen, und von jenen Mitteln Gebrauch machen, welche ihnen die grössere technische Ausbildung der Kunst in so überreicher Fülle darbietet. Die Natur kennt keinen Stillstand; Hand in Wand mit ihr wandelt auch die wahre Kunst; deren After-Schwester heisst: Künstelei, vor welcher uns der Himmel bewahren möge!

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Köhler – Studies in Figured Bass, Part II, Chapter 2: What Does “Counterpoint” Mean?

Beethoven Studien im Generalbass, Contrapunkt und der Composition – Neue Ausgabe von Louis Köhler

Zweiter Abschnitt. Theorie der Composition: Zweites Capitel – Was heisst das Wort: Contrapunkt?

Es heisst: Punkt gegen Punkt, weil solche Zeichen von unsern Voreltern, sonderlich Im Choral- Gesänge, statt denen heut zu Tages üblichen Noten gebraucht wurden; folglich: Punkt gegen Punkt, Note gegen Note in lateinischer Sprache: punctum contra punctum| nota contra notam.

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Köhler – Studies in Figured Bass, Part II, Chapter 1: Fundamental Principles of Figured Bass (Examples 1–12)

Beethoven Studien im Generalbass, Contrapunkt und der Composition – Neue Ausgabe von Louis Köhler

Zweiter Abschnitt. Theorie der Composition: Erstes Capitel – Von den Elementen der Tonsetzkunst

Wie bekannt, gibt es in der Musik consonirende (wohlklingende) und dissonirende (übellautende) Intervalle als Zusammenklänge. Von der ersten Gattung, den Consonanzen, besitzen wir deren fünf. Den Einklang (unisonus), die Terz, Quinte, Sexte und Octave. Von diesen sind wieder einige vollkommen, die ändern unvollkommen. Zu den vollkommenen gehören: der Einklang, die Quinte und Octave zu den unvollkommenen: die Terz, (sowie die um acht Töne hoher liegende Decime) und die Sexte. Jene werden aus dem Grunde vollkommen genannt, weil sie weder erhöht noch erniedrigt werden können, ohne ihr Grundwesen einzubüssen; die Terz und Sexte hingegen heissen unvollkommen, weil man sie nach Erforderniss erhöhen oder erniedrigen, das ist klein und. gross machen kann, ohne ihre Natur zu schädigen.

Die noch übrigen Intervalle: die Secunde, Quarte, Septime und None sind Dissonanzen, und eben so die oben angeführten consonirenden, sobald sie vermindert oder übermässig gemacht werden.

Ueber die reine Quarte herrscht unter den Tongelehrten eine abweichende Meinung. Eben weil sie zwischen den vollkommenen und unvollkommenen Consonanzen gleichsam die Mitte hält, wird sie von einigen zu den ersteren, von ändern zu den letzteren gerechnet. Pedanten und Anbeter des Alterthums verweisen sie in die Rubrik der Dissonanzen. Die Gusti sind verschieden. Für mein Gehör hat sie, verbunden mit ändern Tönen, nicht den geringsten Misslaut.

Aus diesen musikalischen Elementen nun besteht die ganze Composition ; theils durch ihre Versetzung und Veränderung, theils durch Bewegung derselben, wenn man nämlich von einem Intervalle zum anderen fortschreitet.

Diese Bewegung (motus) ist dreifach: motus rectus, motus contrarius und motus obliquus. Der motus rectus, oder die gerade Bewegung, ist,wenn zwei, drei, vier oder mehrere Stimmen zugleich, entweder hinauf oder herab, stufen- oder sprungweise gehen:

Den motum contrarium, die widrige oder Gegenbewegung, besteht, wenn die eine Stimme hin auf, die andere herab, nämlich entgegen geht, entweder stufenweise oder mittelst eines Sprunges:

Der motus obliquus, die Seitenbewegung, besteht, wenn die eine Stimme durch einen oder stufenmässig steigt oder fällt, während die andere unbeweglich in eben demselben verbleibt:

Hinsichtlich dieser dreierlei Fortschreitungen bestehen vier Hauptregeln, und zwar: Erstens: von einer vollkommenen Consonanz in eine gleichfalls vollkommene geht man entweder durch den rnotum obliquurn oder contrarium:

Zweitens: von einer unvollkommenen zu einer vollkommenen wendet man eben so den motum contrarium oder obliquum an:

Drittens: von einer vollkommenen Consonanz in eine unvollkommene bedient man sich aller drei Bewegungen :

Viertens: von einer unvollkommenen zu einer ändern unvollkommenen sind nicht minder alle drei Moti anwendbar:

Ans diesen vier Universal- Regeln wird man beobachten, dass bei allen drei Fortschreitungen der motus contrarius und obliquua zu gebrauchen sei, dagegen die gerade Bewegung nur alsdann vermieden werden müsse, wenn nach einer unvollkommenen Consonanz eine vollkommene folgt der zwei solche hinter einander folgen. Auf diesen drei Bewegungen beruht das ganze harmonische Fundamental – Gesetz.

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Köhler – Studies in Figured Bass, Part I, Chapter 11: The Organ Point (Examples 1–2)

Beethoven Studien im Generalbass, Contrapunkt und der Composition – Neue Ausgabe von Louis Köhler

Erster Abschnitt. Accord-und Generalbass-Lehre: Elftes Capitel – Orgelpunkt

Wenn über lang aushaltenden Bassnuten allerhand harmonische Veränderungen, welche mehreütheils aus Bindungen zu bestehen pflegen, Vorkommen, so nennt man dieses einen Orgelpunkt (poilU d’orgue). Die Harmonie darüber ist oft auch ohne den aushaltenden Grundbass vollständig ja, um die hierbei sich ergebenden Veränderungen der Harmonie und die besondere Zusammensetzung der Intervalle recht deutlich zu übersehen und zu erklären, kann man sogar die Bassnoten auslassen:

Man beziffert die Orgelpunkte nicht leicht, sondern schreibt nur T. S. (tasto solo) darunter, weil sie ohnehin doch selten ein Organist rein spielt und viel lieber zur Verstärkung der Bässe die Pedaltöne dazu tritt.

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Köhler – Studies in Figured Bass, Part I, Chapter 10: Modulation and Harmonic Shift (Examples 1–18)

Beethoven Studien im Generalbass, Contrapunkt und der Composition – Neue Ausgabe von Louis Köhler

Erster Abschnitt. Accord-und Generalbass-Lehre: Zehntes Capitel – Grundaccorde

Grundaccorde sind diejenigen, von welchen andere abstammen. Es gibt deren nur zwei: der vollkommene, perfecte, reine Dreiklang 8/5/3, und der Septimenaccord 7/5/3; alle übrigen, von denselben hergeleitete, heissen Versetzungen  oder Nebenaccorde. Schreibt man einen Bass, worin blos Dreiklänge und Septimen-Harmonien Vorkommen, so ist dieses der wahre Grund- oder Fundamentalbass; z. B.

Die Dissonanz löst sich gewöhnlich eine Stufe abwärts auf :

‘Wird die Auflösung, welche z. B. der Oberstimme zukäme, in den Bass oder In irgend eine andere Stimme verlegt, so beisst dieses eine Verwechslung der Auflösung; z. B.

wenn nämlich der Bass vor der noch nicht erfolgten Auflösung ein anderes, zur Harmonie gehöriges Intervall ergreift, so dass beide Accorde auf einem und eben demselben Grundaccord beruhen; z. B.

Bei den durchgehenden Noten sind die harmonischen von den nicht harmonischen Nebennoten zu unterscheiden, jene nämlich liegen im Accorde:

Die Auflösungen können auch übergangen werden:

ebenso über einem liegenden Bass:

hier mit übergangenem Accord:

auch durch Verwandlung der Dissonanz in eine Consonanz, und nicht minder im entgegengesetzten Falle:

Der aus GrunTo n, Terz und Quinte bestehende Dreiklang ist ein Accord, welcher ohne Bezifferung gegriffen wird; wenn man jedoch Ziffern, welche seine Intervalle bestimmen, einzeln oder zusammen, unter oder über demselben antrifft, muss dies aus ändern Gründen nöthig sein. Bald sind Dissonanzen, welche über denselben Grundnoten in andere Accorde aufgelöst werden, dazu Veranlassung; z.B.

bald setzt man auch, wenn Dissonanzen nach geschlagen werden, der Deutlichkeit wegen die Ziffern des Dreiklanges aus; z. B.

Wo nur eine 6 als Bezifferung steht, gehört als selbstverständlich die Terz dazu, es wird so der Sextaccord gebildet. Die übermässige Sexte ist eine Dissonanz, welche mit oder ohne Vorbereitung vor:

Die dissonirende verminderte Sexte kommt selten vor:

Zuweilen erheischt die Folge, die Begleitung fünfstimmig zu machen; z. B.

Der übermässige Dreiklang besteht nebst der übermässigen Quinte noch aus der grossen Terz und Octave. Er hat entweder allein das Zeichen der erhöhten Quinte oder auch noch die dazu gehörigen Ziffern bei sich. Diese Quinte ist eine Dissonanz, welche nicht leicht ohne Vorbereitung gebraucht wird und immer aufwärts steigt:

Dieses Intervall kommt meistentheils als Uebergangston in einer langsamen Modulation vor:

Die Signatur 6/4 gibt den Quartsextaccord. Die verminderte Quarte will vorbereitet werden, die reine jedoch nicht:

Wenn bei dem Sextenaccord die Terz durch die Quarte aufgehalten wird, so verträgt dieser Satz am besten die Dreistimmigkeit soll dieselbe jedoch vierstimmig sein, so lässt man die Octave aus und verdoppelt dafür die Sexte. Alle drei Quarten und beide consonirende Sexten können hierbei Vorkommen j die ersteren müssen vorbereitet werden und herunter gehen. Es ist also nöthig, sie durch ein bestimmtes Zeichen dem Ungeübten kennbar zu machen. Bei der verminderten Quarte ist die a Sexte klein:

Bei der übermässigen ist sie gross:

Bei der reinen kann sie gross oder klein sein:

Bei der übermässigen Quarte, wenn sie im Durchgänge vorkommt, darf der Bass nicht im mer herunter gehen er kann auch liegen bleiben:

In dem folgenden Beispiele tritt die übermässige Quarte durch eine Vorausnahme zu zeitig

Es ist besser, die Auflösung der verminderten Quinte mittelst einer Verwechslung dem Basse zu überlassen und auch die Bezifferung darnach einzurichten, als wenn dieselbe bei der zweiten Note in die Octave ginge; z. B.

Die reine Quarte mit der Sexte kommt auch zuweilen bei einer auf gehaltenen Quint- Septime vor und wird dreistimmig begleitet; z. B.

Die Signatur 6/4/3 gibt den Terzquartsextenaccord, die Zahl 6 aber wird nur dann darüber gesetzt, wenn3 dieselbe eines Versetzungszeichens: #6, 6 b6 6  bedarf, oder wenn die Auflösung der Dissonanz in ihr vorgeht:

oder wenn sie, regelmässig durch gehend, über den bleibenden GrunTo n in ein anderes Intervall schreitet:

Die kleine, grosse und übermässige Sexte, die reine und übermässige Quarte, die kleine und grosse Terz sind diejenigen Intervalle, welche bei dem Terzquartsextenaccorde Vorkommen:

Hier einige Fälle, wo die grosse Sexte von der übermässigen Quarte und grossen Terz begleitet wird:

Fälle, wo die kleine Sexte die reine Quarte nebst der kleinen Terz zu Gefährten hat:

Fälle, wo bei der grossen Sexte die übermassige Quarte mit der kleinen Terz vorkommt:

Fälle, wo die grosse Sexte auf der reinen Quarte sammt der grossen Terz erscheint:

Fälle, wo die übermässige Sexte mit der übermässigen Quarte und grossen Terz gepaart ist:

Zuweilen muss man nicht sowohl bezüglich der nöthigen Vollstimmigkeit, als vielmehr wegen der Auflösung einer vorhergegangenen, oder wegen Vorbereitung einer nachfolgenden Dissonanz zu dem 6/4/3 z. Accorde auch noch die Octave nehmen:

Der Quintsextenaccord besteht aus der Terz, Quinte und Sexte. Seine Signatur ist 6/5, ohne 3. In demselben können Vorkommen dreierlei Sexten: die übermässige, grosse und kleine:

Zuweilen muss wegen der Auflösung oder Vorbereitung einer Dissonanz als fünfte Stimme die Octave dazu genommen werden:

Wenn über einer ruhenden Grundnote der Quintsext- in den Quartsextaccord resolvirt, so nimmt man als vierte Stimme die Octave und lässt die Terz weg, weil der simple Satz doch eigentlich nur der Quartsextaccord ist, wobei die Quarte durch die reine Quinte aufgehalten und letztere vorbereitet wird:

Folgt jedoch bei einem solchen ruhenden Grundbass auf die Quinte keine Quarte, sondern folgen andere Intervalle, oder bewegt diese Fundamental- Note sich selbst fort, so bleibt man bei der gewöhnlichen Begleitung der Quintsext-Harmonie:

Die übermässige Sexte hat in dem f6/5 Accorde immer die reine Quinte und die grosse Terz bei sich:

Nachstehende Beispiele beweisen, dass die Sexte mit der verminderten Quinte 5 zugleich frei  angeschlagen werden darf:

Die Aufrechthaltung einer bequemen Lage und des fliessenden Gesanges, wie auch die Vermeidung unreiner Eonschreitungen in den äussersten Stimmen, sind Ursachen, von der Vorbereitung der falschen Quinte welche ohnedem frei angeschlagen werden darf, abzusehen. Man nimmt zuweilen bei einer Bassnote mit der verminderten Quinte statt der Sexte die Terz doppelt; man braucht diese doppelte Terz, um einen guten Gesang zu erhalten und Fehler gegen die reine Schreibart zu vermeiden:

Hier noch einige Beispiele mit verminderter Quinte 5:

Der Secundenaccord besteht aus der Secunde, der Quarte und der Sexte. Die Signaturen desselben sind 2 , oder: 4/2 , oder: 6/4/2 . Die Sexte kann gross und klein sein; die Quarte übermässig und rein; die Secunde gross, klein und übermässig. Das dissonirende Intervall kommt hier jederzeit im Basse vor, als Bindung oder durchgehend, wird jedoch immer abwärts aufgelöst; z. B.

Wenn eine grosse Secunde die reine Quarte und die grosse Sexte zu Gefährten hat, so kann die Quarte sowohl hinauf als hinunter gehen, liegen bleiben, oder auch abwärts springen:

Eben dieselbe Freiheit hat auch die Quarte in Verbindung mit der grossen und kleinen Secunde und kleinen Sexte

Wenn die übermässige Quarte in Gesellschaft der grossen Secunde und grossen Sexte erscheint, so kann sie nachher liegen bleiben und dann in die Höhe gehen. Ebenso, wenn sie die übermässige Secunde und grosse Sexte bei sich hat; in diesem Falle mag sie sogar im Durchgänge abwärts schreiten, doch muss sie sich unmittelbar darauf wieder nach oben bewegen:

Auch springt die übermässige Quarte zuweilen herunter:

Man greift auch ohne Andeutung durch Ziffer zur übermässigen Quarte die grosse Sexte, und zur kleinen Secunde die kleine Sexte, zur übermässigen Secunde die übermässige Quarte, und zu dieser, mit einem doppelten Erhöhungszeichen (4 oder x4) die grosse Secunde nebst der grossen Sexte:

Der Secundquintenaccord enthält die Secunde nebst der Quinte. Als vierte Stimme wird eines dieser beiden Intervalle verdoppelt. Die Signatur ist Die Secunde ist dabei gross, die Quinte rein, und die Dissonanz liegt, wie in allen gebundenen Secundenharmonien, im Basse:

Beim irregulären Durchgänge, oder bei Wechselnoten, kommt auch zuweilen die übermässige Quinte vor; z. B.

Der Secundquartquintenaccord besteht aus den genannten Intervallen, wovon das erstere gross ist, die ändern beiden aber rein sein müssen. Er wird durch die Zahler 5/4/2 ausgedrückt; nämlich:

Der Secundterzenaccord ist aus der kleinen Secunde, der grossen Terz und reinen Quinte zusammengesetzt. Man signirt denselben durch eine 2 mit dem erniedrigenden Versetzungszeichen, nebst der Zahl 3 :

Derselbe kommt auch zuweilen im irregulären Durchgänge, als ein voraus genommener Tferz- quartenaccord, sowohl mit der grossen Secunde, als mit der kleinen Terz vor:

Der Septimenaccord kann in dreierlei Gestalt erscheinen: erstens mit der Terz und Quinte zweitens mit der Terz und Octave; drittens mit der doppelten Terz. Er wird entweder durch 7 oder  7/5 angedeutet. In diesem Accorde kommen vor: die verminderte, die kleine und grosse Septime die übermässige, die reine und falsche Quinte; die grosse und kleine Terz, und die reine Octave. — Die Septime ist eine Dissonanz, welche mit oder ohne Vorbereitung gebraucht wird und nachher herunter geht oder sich auf löst. Durchgehende Septimen können auch liegen, wie alles aus folgenden Beispielen ersichtlich:

Tritt die Septime nicht zugleich mit der Grundnote ein, so bewegt sie sich stets abwärts:

In nachstehenden Beispielen zeigt sich die rechte Verdoppelung:

Septimenaccorde mit der grossen Terz:

Durchgehende Septimen wollen besonders delicat behandelt werden:

Gute Septimengänge :

Der Sextseptimenaccord besteht entweder aus der Septime, Sexte und Terz, oder aus der Septime, Sexte und Quarte. Im ersteren Falle wird er: 7/6,  /5 signirt; im zweiten muss auch die Quarte mit über den GrunTo n ausgesetzt werden, und der Auflösungsaccord pflegt ausser der Quinte noch die Terz in der Bezifferung zu haben:

Im Durchgänge kommt auch anstatt der Quarte die Secunde vor:

Der Quartseptimenaccord wird durch die Zahlen 7/4 signirt. Er enthält entweder nebst diesen beiden Intervallen noch die Quinte oder die Octave. In demselben können Vorkommen: die grosse, kleine und verminderte Septime; die reine Octave; die übermässige, reine und falsche Quinte; die verminderte, reine und übermässige Quarte. Die letztere lässt sich auch zu gleich mit der Septime auf lösen:

Ebenso kann die Quarte vor der Septime, und entgegengesetzt die Septime vor der Quarte aufgelöst werden:

Der grosse Septimenaccord besteht aus der grossen Septime, der reinen Quarte und grossen Secunde, und wird auch durch die genannten Zahlen ausgedrückt, nämlich 7/4/2 . Er wird im Durchgang, sowie als Vorhalt gebraucht, und kann mittelst Hinzufiigung der Quinte auch funfstimmig gemacht werden; z.B.

Der Nonenaccord besteht aus der Terz, Quinte und None. Seine Signatur ist, wenn die None über derselben Grundnote aufgelöst wird, 9-8; geht jedoch die Auflösung derNoneerst über der folgenden Note vor sich, so ist die Zahl 9 allein hinlänglich. Die grosse und kleine None, die übermässige, reine und falsche Quinte, die grosse und kleine Terz kommen in diesem Accorde vor. Die None ist eine Dissonanz, welche jederzeit vorbereitet wird und bei der Auflösung eine Stufe heruntertritt: .

Die None kann auch ohne Resolution bleiben oder aufgehalten werden:

Der Sextnonenaccord enthält die Terz, Sexte und None. Seine Signatur ist 9/6 mit den etwa nöthigen Versetzungszeichen  denn alle drei Intervalle können klein und gross sein:

Der Quartnonenaccord besteht aus der Quarte, Quinte und None. Dessen Signatur ist 9/4 Geschieht dieser zwei Dissonanzen Auflösung zugleich über derselben Grundnote, so wird 8/3 als nächstfolgende Signatur gesetzt:

Die None kann in diesem Accorde gross und klein sein; die Quinte ist bald übermässig, bald rein, bald falsch; die Quarte muss allezeit rein sein:

Wird, statt der Quinte die Sexte gegriffen, welche klein oder gross sein kann, so muss sie besonders angemerkt werden, nämlich:  9/6/4

Der Septimennonenaccord hat nebst diesen beiden Intervallen noch die Terz zur Begleiterin. Seine Signatur ist: 9/7 mit den erforderlichen Versetzungszeichen. Wenn dieses Dissonanzpaar zugleich über derselbenGrundnote aufgelöst wird, so müssen sie abwärts nach 8/6 gehen:

Alle drei Intervalle, woraus dieser Accord besteht, können gross oder klein darin Vorkommen:

Soll statt der Terz die Quarte genommen werden, so muss man es anzeigen. Da die letztere ebenfalls vorher liegt, so hat man die ganze Aufgabe in der Hand, auch sogar, wenn die Quinte mit als fünfte Stimme genommen werden muss, welche hier ebenfalls rein, falsch oder übermässig sein kann:

Die Bestandteile des Quartquintenaccor des sind die Octave, die Quinte und die Quarte. Er wird durch die Ziffern 4 3 oder 5/4 signirt, wenn die Quarte alsogleich aufgelöst wird; geschieht solches jedoch erst in der Folge, dann ist die einzelne Zahl 4 hinlänglich. Die reine’ und falsche Quinte, die reine Octave und Quarte sind die darin vorkommenden Intervalle; letztere muss immer vorbereitet werden und geht bei der Auflösung abwärts:

In der galanten Schreibart wird zuweilen ein langer Vorschlag als Vorhalt gebraucht; dieser ist die reine und übermässige Quarte, unvorbereitet mit der Quinte. Bei N° 1 darf man in die reine Quarte sowohl gehen als auch springen:

Bei N° 2 kann die übermässige Quarte nur stufenweise angebracht werden:

Ausserdem kann man dieselbe auch, wie bei N° 3 , gar wohl ohne Begleitung, als Vorschlag durch eine Viertelpause vorübergehen lassen, nämlich:

Bei N° 4 kann man über die erste Note alle Lagen des Sextenaccordes anbringen, und her In die reine Quarte gehen oder springen:

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Köhler – Studies in Figured Bass, Part I, Chapter 9: Dissonances and Their Resolution (Examples 1–20)

Beethoven Studien im Generalbass, Contrapunkt und der Composition – Neue Ausgabe von Louis Köhler

Erster Abschnitt. Accord-und Generalbass-Lehre:Neuntes Capitel – Dissonanzen

Alle nicht direkt harmonischen Intervalle, Dissonanzen genannt, sind regelmässig vorzubereiten und aufzulösen, d.h. sie müssen früher bereits schon als Consonanzen, als direkt harmonische, vorhanden sein und nachher wieder zu solchen werden oder übergehen; sie lassen sich sowohl eine Stufe herab als hinauf lösen:

Ueber liegenden, in einem Tone bleibenden Bassnoten dürfen alle Dissonanzen frei angeschlagen werden, ohne Vorbereitung:

Ein neu hinzu gefügtes Versetzungszeichen, welches eine vorbereitete Dissonanz noch mehr erniedrigt, hebt die Vorbereitung keineswegs auf:

Gleichfalls wird öfters eine Dissonanz wieder in einen ändern dissonirenden Accord aufgelöst:

Zuweilen auch ohne Auflösung, blos durch Vermittlung der fortrückenden Grundstimme:

Wenn auch eine solche Auflösung durch eingeschobene dissonirende Accorde noch so lange verzögert werden sollte, so muss doch endlich einmal die Auflösung in eine Consonanz erfolgen. Dieses Verfahren nennt man eine Aufhaltung (Retardatio) der Auflösung. Bisweilen wartet auch die rechte Hand den Eintritt der Bassnote, worüber eine Dissonanz aufgelöst werden soll, gar nicht ab, sondern fäUt mit der Auflösung vorher ein:

Dann und wann thut dasselbe sogar der Bass:

Beide Fälle heissen eine Vorausnahme (Anticipatio) der Auflösung. A. Vorausnahme der obern Stimmen, wobei man auch den Querstrich / so wie bei den anschlagenden Wechselnoten zu gebrauchen pflegt.

ß. Vorausnahme des Basses, zu deren Bezeichnung der bei dem regelmässigen Durchgänge Übliche gerade Querstrich dient:

Wenn man vor der Auflösung den Ton der Grundstimme mit einem gleichen in der rechten Hand verwechselt, so ist solches eine Verwechslung der Harmonie:

Ergreift der Bass den Ton, worin eine Dissonanz in der rechten Hand sollte aufgelöst werden, so heisst dieses eine Verwechslung der Auflösung. Diese erhält dadurch die Freiheit und überlässt dem Basse die vollständige Auflösung:

Unter den geschwinden Bassnoten hat selten eine jede ihre eigene Harmonie. Von jenen, welche ohne Harmonie angeschlagen werden, sagt man: sie gehen durch:

Manchmal gehen bei geschwindem Zeitmasse, und wenn die Noten kurz sind, die allermeisten durch:

Auch in der Harmonie über dem Basse gehen Intervalle durch:

In dem folgenden Beispiele gehen: harmonische Intervalle durch:

Wird ein durchgehender Ton im Basse, welcher nicht in die Harmonie gehört zu dieser angeschlagen, so ist der Durchgang irregulär und diese Noten heissen alsdann Wechselnoten, welche in solchem Falle mit / bezeichnet werden:

Ungetheilt heisst die Begleitung, Harmonielage, wenn man alle zu den einzelnen Bassnoten gehörigen Intervalle mit der rechten Hand spielt:

Greift man jedoch auch mit der linken Hand eine oder mehrere Stimmen, so wird sie ge theilte Harmonie genannt:

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Köhler – Studies in Figured Bass, Part I, Chapter 8: Cadences and Harmonic Progressions (Examples 1–12)

Beethoven Studien im Generalbass, Contrapunkt und der Composition – Neue Ausgabe von Louis Köhler

Erster Abschnitt. Accord-und Generalbass-Lehre: Achtes Capitel – Generalbass und Harmonie

Jede durch Ziffern bezeichnte Harmonie gilt so lange, als die dieselbe bleibt; folglich behält man z.B. den Dreiklang auch im nächsten Takte, b.s eine neue Bezeichnung eintritt:

Desgleichen, wenn die Bassnoten eine Octave hoher oder tiefer versetzt, oder wenn durch gehende oder harmonische Nebennoten eingeschaltet werden:

Stehen über einer Note, welche in zwei gleiche Theile getheilt werden kann, zwei Ziffern neben einander, so bekommt jede dadurch bezeichnete Harmonie die Hälfte der Dauer des Intervall

Die Octave des Basses mit 8 zu bezeichnen, wie es bisher geschah, kann auch unterbleiben. Bei drei neben einander stehenden Ziffern über einer solchen Note erhält die dadurch Gezeichnete erste Harmonie den halben Werth; die beiden ändern Accorde aber bekommen zusammen nur die noch übrige zweite Hälfte der gesammten Notengeltung : die Querstriche von Ziffern und Zeichen aus deuten an, dass dieselben weiterhin fortdauernd gültig sind:

Durch vier neben einander gesetzte Zahlen wird angedeutet, dass jede bezeichnete Harm nie das Viertheil von dem Werthe der Noten erhalten soll:

Fünf Ziffern werden so eingetheilt, dass zuletzt zwei doppelt schnelle stehen:

Von zwei nebeneinander stehenden Ziffern über einer dreitheiligen, punktirten Note bekommt die erste Harmonie zwei Theile; für die zweite Zahl bleibt somit bloss der dritte Theil des Notenwerthes:

In triplirten Taktarten g, erhält jede Ziffer die Hälfte von der Geltung der Grundnote:

Stehen drei Ziffern über einer Note von dergleichen ungeraden Taktarten, so erhält jeder einzelne Accord ein Dritttheil von dem Werthe derselben:

Bei vier Ziffern zu einer dreitheiligen Bassnote kommt auf jede derselben von den beiden ersten ein ganzes Dritttheil so, dass für die folgenden beiden Ziffern zusammen nur das letzte Dritttheil übrig bleibt:

Fünf Ziffern setzen eine Eintheilung nach Art der folgenden voraus:

Etwa vorkommende Punkte bei Ziffern können so gebraucht werden:

Doch thut ein Querstrich beinahe gleiche Dienste:

Stehen die Ziffern über dem Punkte selbst, so gibt man die dadurch bezeichnete Harmonie schon während des Punktes an und zählt die Dauer der Intervalle von der vorhergehenden Note ab:

Dasselbe gilt auch von den längeren Pausen:

Alle Ziffern, welche hingegen auf einer kurzen Pause stehen, werden zu derselben angeschlagen, aber erst die nächstfolgende Bassnote bestimmt für die Ziffern die Basis, von welcher sie zu rechnen sind:

Jene Ziffern indessen, welche über einer langen Pause erscheinen, werden zwar auch z u derselben angeschlagen, jedoch beziehen sie sich noch auf die vorige Bassnote:

Ein Querstrich zeigt an, dass in den begleitenden Stimmen der vorhergehende Accord, oder auch nur ein einzelnes Intervall desselben,unverändert beibehalten werden soll:

Demungeachtet kann aber der Accord oder das Intervall nach Umständen, besonders bei langsam fortschreitender Bewegung, nach Belieben nochmals angeschlagen werden.— Sogenannte Wechselnoten, welche zwar auf den guten Takttheil fallen, aber dennoch nicht zum Accorde gehören, bekommen einen schiefen Strich /; diejenigen aber, welche in der Harmonie liegen, erhalten entweder einen horizontalen Strich oder auch gar keinen:

Sind zwei, drei oder vier übereinander stehende Ziffern vorhergegangen, so folgen gewöhnlich eben so viele Querstriche, wenn nämlich der Accord nicht verändert werden soll:

Der schräge Strich / bei den Wechselnoten will, dass schon bei dem Eintritte desjenigen Intervalls, worüber sich selbiger Strich befindet, der durch Ziffern angedeutete Accord des zunächst folgenden Basstons im Voraus zu nehmen sei;

Mittelst eines Halbzirkels bezeichnen manche Componisten auch die verminderte Quinte, welche mit der kleinen Terz zusammen steht:

Bei den mit unisono, unis., all’ unisono, all’ ottava bezeichneten Stellen spielt man in der rechten Hand die zunächst gelegene Octave mit; wo jedoch der Begleiter wieder ganze Accorde angeben soll, wird solches abermals durch Ziffern bemerkt:

Tasto solo oder die einzelnen Buchstaben T. S. zeigen an, dass die vorgeschriebene Taste so lange ohne alle weitere Begleitung fortgehalten werde, bis wieder Ziffern gesetzt sind:

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Köhler – Studies in Figured Bass, Part I, Chapter 7: Ninth, Eleventh and Thirteenth Chords (Examples 1–21)

Beethoven Studien im Generalbass, Contrapunkt und der Composition – Neue Ausgabe von Louis Köhler

Erster Abschnitt. Accord-und Generalbass-Lehre: Siebentes Capitel – Nonenaccord

Der Nonenaccord entsteht durch das llinzufügen einer Terz unter den GrunTo n eines Septimenaccordes:

Jedoch wird dabei gewöhnlich ein Intervall ausgelassen ; bleibt die Septime weg, so hat man den einfachen Nonenaccord lässt man die Quinte aus, so gibt es den Septimenaccord:

Der Undecimenaccord entsteht durch das Hinzufügen einer Quinte, und der (dazwischen liegenden) Terz unter eine Septimen-Harmonie:

Somit wäre er also ursprünglich sechsstimmig. Bleiben hingegen die Terz, Septime und None weg, so erhält man den sogenannten verkürzten Undecimen- oder gewöhnlichen Quart- quintenaccord:

Versetzungen davon sind der Quartseptimenaccord:

Durch Auslassung der Terz und Quinte bildet sich der gewöhnliche grosse Septimenaccord:

Lässt man die Terz und None weg, so entsteht wieder ein anderer Septimenaccord: welcher, wenn er z. B. auf der Quinte von C-dur, oder Unterquarte G, vorkommt,

folgende Versetzungen zulässt, wovon die dritte, dem Sprachgebrauche gemäss, der Secundquart- quintenaccord heisst:

Der aus der vollständigen Undecimen -Harmonie hergeleitete Accord, ohne Septime und None: ist zwar an und für sich nicht wohl zu gebrauchen; aber durch die erste Versetzung desselben erhält man einen Accord, welcher unter der Benennung vom Sext- nonenaccord vorkommt:

Der Terzdecimenaccord entsteht durch Hinzufügen einer Septime, Quinte und Terz unter den GrunTo n der Stamm – Septimen-Harmonie:

vollständig, wie hier, nämlich siebenstimmig in enger Lage, glaubt man ihn unbrauchbar, man lässt also verschiedene Intervalle weg. Folgende Accorde, welche auf der Terzdecimen-Harmonie beruhen, sind in weiter Lage gebräuchlich:

Dieser sogenannte Sextseptimenaccord kommt gewöhnlich nur auf der fünften Stufe (Dominante) der Tonart vor:

Ferner: der Quartsextseptimenaccord:

Der Quartsextnonenaccord hingegen wird gemeiniglich auf der sechsten Stufe, oder in der weichen Tonart auf der Tonica selbst gebraucht:

Zu enharmonischen Uebergängen ist besonders der Septnonenaccord sehr gut verwendbar

Verwechselte Uebergänge:

Die verbindenden Zwischenaccorde können auch wegbleiben, und es ist gleichfalls erlaubt, in chromatischer Stufenfolge, mit Vermeidung regelwidriger Quintengänge, nach ändern Harmonien fortzuschreiten:

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Köhler – Studies in Figured Bass, Part I, Chapter 6: Chords from Bass Inversion and Anticipation (Examples 1–5)

Beethoven Studien im Generalbass, Contrapunkt und der Composition – Neue Ausgabe von Louis Köhler

Erster Abschnitt. Accord-und Generalbass-Lehre: Sechstes Capitel – Accorde welche durch Verwechselung des Basses entstehen

Accorde, durch die Verwechslung des Basses entstehend, welche bekanntlich auch Voraus – nahmen (Anticipationen) genannt werden. Vorausgenommener Dreiklang, Sext- und Quartsextenaccord, woselbst der Vorhalt, oder die zufällige Dissonanz, immer im Basse liegt:

Die Harmonie in den letzten drei Beispielen ist unter der besonderen Benennung Secund- quintenaccord bekannt. Vorausgenommener Septimen-, Quintsexten- und Terzquartenaccord:

Dieser Accord heisst gemeiniglich der Secundterzenaccord und wird am bequemsten durch den schrägen Strich bezeichnet:

Bei allen diesen anticipirten Accorden musste der Bass immer voraus liegen; davon sind indessen jene Fälle ausgenommen, wo solche Accorde vermittelst des regelmässigen Durchganges, jedoch gewöhnlich nur in schneller Bewegung, angebracht werden:

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Köhler – Studies in Figured Bass, Part I, Chapter 5: The Major Seventh Chord (Examples 1–9)

Beethoven Studien im Generalbass, Contrapunkt und der Composition – Neue Ausgabe von Louis Köhler

Erster Abschnitt. Accord-und Generalbass-Lehre: Fünftes Capitel – Der grosse Septimenaccord

Der Dreiklang, aufgehalten durch drei oder vier Intervalle. Der grosse Septimenaccord: 7/4/2, ♮7/4/2, 7/4 7/2, welcher auch, und vielleicht richtiger, der Quartnonenaccord 9/74 heissen konnte:

Im vierstimmigen Satze nimmt man statt der Secunde (oder None) auch die Quinte:

Auch kann diese Quinte, oder die abwärts aufzulösende Sexte, als fünfte Stimme dazu nommen werden:

Bei dreistimmiger Begleitung wird nach Umstllnden zur Septime blos die Quarte oder Secunde angegeben:

Der Sextenaccord, aufgehalten durch drei oder vier Intervalle:

Aufhaltungen des Quartsextenaccordes:

Der Septimen, Terzquarten und Secundenaccord durch drei Intervalle aufgehalten:

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