Anhang 1

Symphony in C major, known as “Jena Symphony”
Discovered in 1906 by Fritz Stein in non-original handwritten orchestral parts in the archives of the Akademisches Konzert, founded in 1769 by the Collegium Musicum of the students of Jena and put into score and published in 1911.

Discovered in 1906 by Fritz Stein in non-original handwritten orchestral parts in the archives of the Akademisches Konzert, founded in 1769 by the Collegium Musicum of the students of Jena, and transcribed into score and published in 1911.

Based on some words written by an anonymous hand on a second violin part (“par Louis van Beethoven”) and on a cello part (“Symphonie von Bethoven”), and archived under the name “Louis van Beethoven” as the author, Stein (Musical Director of the University of Jena) believed he could assert that it was a composition by the Maestro, written in the final years in Bonn (F. Stein, Eine unbekannte Jugendssymphonie Beethovens?, in Sammelbände der Internationalen Musikgesellschaft, XIII, I, October–December 1911 – see also the Preface attached to the score by the same musicologist).

Stein thought it was a youthful work by Beethoven and identified in each of the four movements some passages that recalled the Maestro’s style. Stein’s conviction regarding Beethoven’s authorship was reinforced by the fact that there are letters from Beethoven revealing that before writing Symphony No. 1, he had tried to compose an important symphony in C major, taking Haydn’s Symphony No. 97 as a model.

This opinion met no opposition and was received with some reservation only by a few scholars. Following the discovery made in 1957 by H. C. Robbins-Landon in the music library of the monastery of Göttweig in southern Austria (H. C. Robbins-Landon, The Jena Symphony, in The Music Review, April 1957, vol. 18, pp. 109–113 – see also O. E. Deutsch, Fünfzig Jahren Jenaer Symphonie: Das Ende einer Legende, in National Zeitung, Basel, April 1957), of other earlier manuscript parts that clearly bore on the cover the wording “Authore Witt,” and after further meticulous research by the same scholar, we must today recognize as the author of the work the composer Friedrich Jeremias Witt (8.11.1770 – 03.01.1836), Kapellmeister of the Court of the Grand Duke of Würzburg, cellist, author of theatrical works, oratorios, and various symphonic and chamber music compositions.

Other important articles include:

  • Fritz Stein, Zum Problem der ‘Jenaer Symphonie’, Bericht über den siebenten internationalen musikwissenschaftlichen Kongress Köln 1958 (Kassel: Bärenreiter, 1959), pp. 279–281
  • Stephen C. Fischer, The affair of the “Jena” Symphony (Them. Index 14) (New York & London: Garland Publishing, 1983)

In his catalog of Beethoven’s works, Anton Bruers dares to define the Minuet of the Jenaer Symphonie even preferable to that of the First Symphony Opus 21 (a perfectly understandable boutade, at least from my point of view, since I have a particular fondness for this symphony); in this case, one should reflect whether the misfortune (and fortune) of having associated Beethoven’s name with it benefited this composition, now unjustly excluded from the repertoire, since the quality of this and other compositions by Witt is such as to deserve publication.

Friedrich Jeremias Witt (1770 – 1836)

Born in Niederstetten, a small village in Baden-Württemberg, in the same year as Beethoven, Friedrich Jeremias Witt received his first musical training from his father, a singer and employee at the court of Oettingen-Wallerstein; he may later have studied with Antonín Rössler (Francesco Antonio Rosetti, author of the piano concerto fragment Anhang 7, also attributed to Ludwig).

In 1789, Witt joined the court orchestra of Prince Kraft Ernst as a cellist, and between 1793 and 1794 undertook a long tour with clarinetist Joseph Beer. During the summer of 1796, Witt and Beer returned to Vienna for a series of concerts held in the Augarten; the successes obtained led Witt to continue concert activity without returning to the Wallerstein court.

In spring 1802, after the premiere of his oratorio Der leidende Heiland, he was appointed court music director by the Prince-Bishop of Würzburg, Georg Karl von Fechenbach. Witt settled permanently in Würzburg, and after the secularization of the archdiocese, worked for the Elector Prince and Archduke Ferdinand of Tuscany, and until 1824 served as music director of the court theater.

He died of a pulmonary illness on January 3, 1836, at the age of sixty-five, and his compositions, although popular and appreciated, were soon forgotten. The most substantial part of his musical output consists of 23 symphonies, instrumental music, sacred and theatrical music.

Die vorliegende Partitur einer unbekannten C‑dur‑Symphonie wurde hergestellt nach handschriftlichen Orchesterstimmen, die sich im Notenarchiv des im Jahre 1769 aus einem alten studentischen Collegium hervorgegangenen „Akademischen Konzertes“ in Jena fanden.
Die II. Violinstimme trägt den Vermerk: „Par Louis van Beethoven“, die Violoncellstimme die Aufschrift: „Symphonie von Beethoven“ (sic!), nicht etwa als späteren Nachtrag, sondern ersichtlich von der gleichen Kopistenhand geschrieben, von der auch die Noten stammen.
Beschaffenheit des Papiers, Schriftdiktus und Schreibweise der dynamischen Zeichen weisen die Stimmen mit ziemlicher Sicherheit dem Ende des 18. Jahrhunderts zu.
Da Beethovens Name zur Zeit der Niederkunft der Stimmen in weiteren Kreisen noch unbekannt war — erst nach 1800 beginnt sich sein Ruhm zu verbreiten — so ist eine mit jener Aufschrift beabsichtigte Fälschung, eine betrügerische Unterschiebung, um das Werk durch den berühmten Namen zu empfehlen, nicht wohl anzunehmen.
Die Überlieferung, die die Symphonie Beethoven zuschreibt, ist also methodisch einwandfrei, mindestens ebenso unanfechtbar wie manch anderes Beethoven’sches Werk, dessen äußere Beglaubigung ebenfalls lediglich auf einer Aufschrift von Kopistenhand beruht (vgl. u. a. die „Kaiserkantate“ und den nur in einer Kopie aus den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts auf uns gekommenen Klavierkonzertsatz in D‑dur im Supplementband der Gesamtausgabe von Beethovens Werken).

Die äußere Beglaubigung der Autorschaft Beethovens wird nun durch eine Reihe schwerwiegender innerer Gründe nahezu zur Gewißheit erhoben. Zahlreiche Stellen der Partitur zeigen so unverkennbar Beethovensches Gepräge, daß sie für einen anderen Autor ausgeschlossen erscheinen. Nur die auffallendsten dieser Beethovenismen seien hier angemerkt:

I. Satz. Allegro: Takt 13–27 (die für Beethoven charakteristische Art der Nachahmung!); Takt 127–147; Takt 244–254. II. Satz. Adagio: Minore, Takt 41–54; Takt 71 bis Schluß (!). III. Satz. Menuetto, 2. Teil; Trio, 2. Teil, Takt 9–13 (rhythmische Verschiebung gegen den Takt!). IV. Satz. Allegro: Takt 117–135; Takt 143–173.

Abgesehen von solchen, die Klänge des Löwen verratenden Partien, lehnt sich die Symphonie als Ganzes deutlich an Vorbilder an, und zwar ist neben Mozartschen Wendungen besonders auffallend Haydns Einfluß wahrzunehmen, dessen Londoner Symphonien in D‑dur und C‑dur (Nr. 5 und 7 der Breitkopf & Härtel’schen Partiturausgabe, komponiert 1791 und 1792) dem Komponisten geradezu als Muster gedient zu haben scheinen. Überhaupt läßt sich in mannigfacher Beziehung der Nachweis erbringen, daß wir es bei der Arbeit eines technisch noch nicht ausgereiften Künstlers zu tun haben. Da wir den Gefolgten Haydns und Mozarts zu Ende des 18. Jahrhunderts bis jetzt kennen, so wäre es denkbar, daß ein Meister ankündigendes Werk vorliegt, das endlich zu den anderen Werken des authentischen Beethoven nachgelegt werden könnte. Da endlich auch zahlreiche Reminiszenzen an andere Werke des Autors Beethovens nachweisbar sind, und da wir in der aufgedrängten „C‑dur‑Symphonie“ in der Tat eine Jugendsymphonie Beethovens zu erkennen glauben, so läßt sich mit größter Wahrscheinlichkeit annehmen, daß der Meister in seinen frühen Skizzen bereits vor seiner „Ersten“ mit Plänen zu Symphonien beschäftigt war.

Eine ausführliche Darlegung der Echtheitsfrage gibt ein (demnächst bei Breitkopf & Härtel in erweiterter Form als Broschüre erscheinender) Aufsatz des Herausgebers: „Eine unbekannte Jugendsymphonie Beethovens“ in den „Sammelbänden der Internationalen Musikgesellschaft“ (Jahrg. XIII, Oktoberheft 1911), auf den hiermit verwiesen sei.

Die Orchesterstimmen, die als Vorlagen dienten, enthalten zahlreiche Schreibfehler und Ungenauigkeiten; vor allem sind die Versetzungs‑ und Auflösungszeichen nachlässig behandelt und können leicht, wo sie als selbstverständlich vorausgesetzt werden können. Von der Verbesserung einzelner Schreibfehler abgesehen, wurde nur an zwei Stellen vom Notentext der Vorlage abgewichen. In Takt 248 des 1. Satzes verzeichnet die 2. Violinstimme 𝄞. Die unschön wirkende Vorwegnahme des Auflösungszeichens des Vorhaltes (1. Violine) wurde beseitigt durch folgende kleine Änderung:

(musikalisches Beispiel)

Im 2. Teil des Trios lautet die 2. Hornstimme in 4., 5. und 7. Takt 𝄞, wofür 𝄞 gesetzt wurde, um der störenden mehrfachen Verdopplung der Septime auszuweichen. Alle sonstigen harmonischen und instrumentalen Härten zu verbessern oder die vorkommenden Quinten und Oktaven (Adagio, Takt 74 nach 75 und Takt 76) auszumerzen, erschien bei einem Jugendwerk nicht angebracht. Wenn bei dem viermal wiederkehrenden Abschluß der 2. Themengruppe des Adagio (Takt 14 f.) der klaviermäßig empfundene Vorhalt des Dominantseptakkords vom gebrochenen Tonika‑Akkord allzusehr molestiert, der mag folgende, allerdings weniger charakteristische Ausführung wählen:

(musikalisches Beispiel)

In Takt 73 und 74 des Adagio, einer in Stimmung und Harmonie unbeholfenen Stelle, wird die unangenehme Reibung der Vorhalttonen der 1. Violine mit der 1. Oboe leicht vermieden durch folgende Führung der Holzbläser:

(musikalisches Beispiel)

Die Vorschriften für Dynamik, Spielart und Phrasierung lassen in den Vorlagen viel zu wünschen übrig. Während einzelne Stellen äußerst sorgfältig bezeichnet sind, wie z. B. die Einleitung zum 1. Satz oder das Minore des Adagio, fehlen auf weite Strecken hin alle Vortragszeichen. Oft konnte aus Andeutungen in einzelnen Stimmen oder aus Parallelstellen auf die wahrscheinlichste, vom Komponisten gewünschte Vortragart geschlossen werden. Selbständige Ergänzungen waren jedoch nicht zu vermeiden. So weist z. B. die Figuration der I. Violine im Maggiore des Adagio keinerlei Stricharten auf. Wem die Vorschläge des Herausgebers nicht zusagen, mag also hier nach Belieben ändern.

Von einer Markierung der vom Herausgeber hinzugefügten Vortragsbezeichnungen durch besondere Zeichen wurde auf Wunsch der Herren Verleger aus praktischen Gründen abgesehen. Sollte sich die Echtheit des Werkes bestätigen, soll eine textkritische Partiturausgabe im Rahmen der Gesamtausgabe der Werke Beethovens erscheinen.

Jena, den 11. November 1911. Fritz Stein.

Bei Aufführungen der Symphonie wird es sich empfehlen, zur Orientierung des Publikums die obigen Bemerkungen, wenn auch nur auszugsweise, auf dem Programm abzudrucken.

Piano version of the symphony (1911)

Orchestral version of the symphony

Historical recordings (until the 1960s)

  • Camden LP CAL-241 Beethoven Early Symphonies (Jena and First Symphony Opus 21) – Janssen Symphony Orchestra – Werner Janssen
  • Ducretet Thompson Beethoven Symphonie de Jena et Fantasie Opus 80 – Orchestre Symphonique de Radio-Berlin – Leopold Ludwig
  • Melodija 33C Ludwig van Beethoven – J. Haydn Symphony Nr. 82 “L’orso” – Moscow Radio Symphony Orchestra – R. Vartanyan
  • MMS-2034 F Beethoven Symphonies Anhang 1, Opus 21 & 125 – Netherlands Philharmonic Orchestra – Walter Greber

After the discovery that it was not a Beethoven symphony, discographic interest collapsed, with only one CD under Witt’s name:

  • CISCO RECORDS Mozart Symphony No. 34 in C, K338, Witt Symphony in C, ‘Jena’ – Brussels Radio Orchestra – Thomas Nee

? Final note

Lastly, here is the article dedicated to Maestro Gelmini’s concert in Cantù, fully reported on our site at this address. The texts and documents on this page have been reviewed by our editors. Anyone wishing to contact the reviewer may do so via our contact form.

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