WoO 185 Edel sei der Mensch, Canon

WoO 185 – “Edel sei der Mensch”, Canon, early May 1823, first published as an appendix to the Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode on 21 June 1823. GA no. 256/10 (series 23, pp. 190–193) – B. 214 – KH (WoO) 185 – N. p. 162/11 – T. 241.

Official title: WoO 185 Edel sei der Mensch, hülfreich und gut Kanon (Es-dur) nach Worten von Johann Wolfgang von Goethe Widmung: – NGAXII/2 AGA 256/10 = Serie 23/S. 190-193

There are two autograph manuscripts: one in E major, without dedication, preserved in the Bodmer Collection of the Beethoven-Haus; the other in E-flat major, dedicated by Beethoven on 6 May of the same year to the young musician Louis Schlösser of Darmstadt on the occasion of his departure for Paris, which is now lost. The text, as in No. 768 of the Biamonti catalogue, is taken from the opening lines of Goethe’s poem Das Göttliche.

 [By Biamonti Giovanni – Catalogo cronologico e tematico delle opere di Beethoven comprese quelle inedite e gli abbozzi non utilizzati, Torino, ILTE 1968]

This canon is also listed in the Biamonti Catalogue as No. 775, but it does not appear in the Hess Catalogue. Julia Ronge informs us that in the Beethoven-Haus manuscript, in the upper right margin, Beethoven writes: “Worte aus dem Gedicht von Göthe Das Göttliche”, and that in the lower right corner a portion of the sheet is missing due to trimming. In the remaining portion above the cut, some markings are visible that could be the tops of letters; it is not unlikely that the dedication was originally here.

Written on 6 May 1823, the original edition of the canon, transposed to E major, appeared in June 1823 as a supplement to the Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode. Louis Schlösser (1800–1886), composer, violinist, and teacher from Darmstadt, went to Vienna in April 1822 and then to Paris at the end of May 1823. During his stay in Vienna, he met Beethoven several times. Before leaving, the maestro entrusted him with a letter of recommendation for Luigi Cherubini and Maurice Schlesinger (see BGA 1645) and wrote the canon in his family album. According to Schlösser’s description, Beethoven gave him the canon without being asked: „In der Frühe, genau einen Tag vor meiner Reise […] tritt Beethoven in mein Zimmer. Ich war ausser mir vor Freude und Staunen. Er habe, fing er an, nur noch einmal mich sehen, und mir ein Lebewohl sagen wollen, er würde auch nicht länger als nöthig verweilen und mir nur die versprochenen Briefe an Cherubini und Schlesinger, beide wegen der Post unversiegelt, einhändigen […]. Auf meine natürlich immer schriftlich wiederholten Versicherungen, wie dankbar ich seine Güte anerkenne und wie aufs Pünktlichste ich seine Aufträge gleich nach meiner Ankunft in Paris besorgen würde, fuhr er fort: ,Ein kleines Andenken habe ich Ihnen noch mitgebracht, ich weiss, dass Sie einigen Werth darauf legen, ob Sie gleich so bescheiden waren, es mir nicht abzuverlangen, nehmen Sie es als ein Zeichen meiner Freundschaft zur Erinnerung und behalten Sie mich lieb!1 Nach diesen Worten zog er aus seiner Seitentasche ein Stammbuchblatt mit der Ueberschrift: .Worte von Göthe, Töne von Beethoven, Wien, im Mai 1823.‘ Es war ein Canon für sechs Stimmen auf die Worte: Edel sei der Mensch, hilfreich und gut! Auf der leeren Rückseite stand ebenfalls von seiner Hand: Reisen Sie glücklich, mein lieber Herr Schlösser, alles komme Ihnen erwünscht entgegen. Ihr ergebenster Beethoven.“  (Schlösser/Erinnerungen, p. 416)

Text: Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), Das Göttliche (“Goethes Schriften”, Vol. 8, Leipzig 1789, pp. 215–218; Goethes Werke, Vol. 1, Tübingen 1806, pp. 140–142), lines 1–2; see also WoO 151. Sketches have not survived. A sketch with a similar text but different melody is preserved in D-B (Mus. ms. autogr. Beethoven Artaria 201, p. 125; transcription: Nottebohm/Beethoveniana II, p. 475, facsimile: SBB/). Transcription: D-BNba, H. C. Bodmer Collection, HCB Mh 39. Title on recto: “Canon zu 6 Stimmen von Beethoven. Worte aus dem Gedicht von Göthe Das Göttliche”. One sheet; text on recto, blank verso. Paper: horizontal format, trimmed at lower right (with loss of text), 23.5 × 29.5 cm, 12 lines. Provenance: H. Meyer & Ernst, Berlin (auction catalogue 31, April 1933, no. 2); Hans Conrad Bodmer, Zurich; acquired 1956. Facsimile and description: DBH/online. Another transcription in E-flat major: RE-AD, LAF B6 autograph collection. Date: “am 6-ten May 1823”. Title: “Worte von Göthe. Töne von Beethoven. Wien am / 6-ten May 1823” [corrected to “27 April”, year difficult to identify, possibly 1822] / canon zu 6 Stimmen. Dedication on verso: “Reisen sie glücklich / mein Hr. Schlößer alles / komme Ihnen erwünscht / entgegen. — / ihr / Ergebenster / Beethoven”. One sheet; musical text on recto, dedication on verso. Paper: horizontal format, 7 lines. Provenance: Landgraf Alexander Friedrich von Hessen, acquired from the estate of Ludwig Schlösser. A copy once owned by Felix Mendelssohn Bartholdy now resides in a private collection (Christie’s, 10 May 1977, lot 29; Schneider, Catalogue 212 [1977], no. 94).

Das Göttliche
Edel sei der Mensch,
Hilfreich und gut!
Denn das allein
Unterscheidet ihn
Von allen Wesen,
Die wir kennen.

Heil den unbekannten
Höhern Wesen,
Die wir ahnen!
Ihnen gleiche der Mensch!
Sein Beispiel lehr’ uns
Jene glauben.

Denn unfühlend
Ist die Natur:
Es leuchtet die Sonne
Über Bös’ und Gute,
Und dem Verbrecher
Glänzen wie dem Besten
Der Mond und die Sterne.

Wind und Ströme,
Donner und Hagel
Rauschen ihren Weg
Und ergreifen
Vorüber eilend
Einen um den andern.

Auch so das Glück
Tappt unter die Menge,
Faßt bald des Knaben
Lockige Unschuld,
Bald auch den kahlen
Schuldigen Scheitel.

Nach ewigen, ehrnen,
Großen Gesetzen
Müssen wir alle
Unseres Daseins
Kreise vollenden.

Nur allein der Mensch
Vermag das Unmögliche:
Er unterscheidet,
Wählet und richtet;
Er kann dem Augenblick
Dauer verleihen.

Er allein darf
Den Guten lohnen,
Den Bösen strafen,
Heilen und retten,
Alles Irrende, Schweifende
Nützlich verbinden.

Und wir verehren
Die Unsterblichen,
Als wären sie Menschen,
Täten im Großen,
Was der Beste im Kleinen
Tut oder möchte.

Der edle Mensch
Sei hilfreich und gut!
Unermüdet schaff er
Das Nützliche, Rechte,
Sei uns ein Vorbild
Jener geahneten Wesen!